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Ein Service von "Neue Wege finden" Andrea Brockmann

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein in sich geschlossenes System, das seit mehr als 3000 Jahren entwickelt und bis heute verfeinert wird. Ihre Inhalte wurden durch sehr genaue Beobachtungen gewonnen und in ein logisch nachvollziehbares System eingebaut.

Dieses unterscheidet sich sehr deutlich von unserem, im Westen gebräuchlichen Verständnis vom Körper und seinen Funktionen. Die unterschiedlichen Bezeichnungen für körperliche Symptome und Erkrankungen können aber durchaus in das jeweils andere System übersetzt werden, wenn auch nicht eins zu eins.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin geht es viel um das Verständnis der Zusammenhänge, die wir bei der 5-Elemente-Theorie weiter vertiefen, um Vorbeugung von Erkrankungen und um die Balancierung von Körper und Geist.

​Die wohl bekannteste Behandlungsform ist die Akupunktur, die bei uns schon sehr etabliert ist. In China liegt der Schwerpunkt mehr auf der Kräutertherapie. Es gibt aber auch Akupressur, verschiedene Massageformen, wie das Schröpfen oder Gua Sha und Formen der Wärmebehandlung über Moxibustion.

Im Rahmen der Yang-Shen-Philosophie, der Kunst der Lebenspflege, kommen dann noch eine angemessene Bewegung durch Qi Gong hinzu und die Gesunderhaltung des Geistes durch Kunst und Literatur.

Der wohl angenehmste Therapiebereich der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Ernährungslehre. Hier geht es darum, dass zur richtigen Zeit, die richtige Mahlzeit für den jeweiligen Menschen zubereitet wird. Das hört sich vielleicht erst einmal etwas kompliziert an, die Grundprinzipien sind jedoch einfach nachzuvollziehen und gut in den Alltag einzubauen.

In den nachfolgenden Texten habe ich mich bemüht, möglichst auf Fach-Chinesisch zu verzichten, es soll ja kein Fachbuch werden, sondern leicht zu lesen sein. Wenn trotzdem etwas schwer verständlich ist, melde dich gerne unter info@neuewegefinden.de , ich bemühe mich dann um Klärung.

Yin und Yang

Yin und Yang sind ein sehr früher Versuch die Welt zu ordnen.

​Yin: das weibliche Prinzip

Kühle, Feuchte, Dunkelheit, Passivität, links, unten, die vordere Körperhälfte,  ...

Yang: das männliche Prinzip

Hitze, Trockenheit, Licht, Aktivität, rechts, oben, die hintere Körperhälfte, ....


Bei diesem Prinzip handelt es sich um ein gedankliches Konstrukt, um die Welt mit ihren Abläufen besser verstehen zu können.

Wenn du dir das unten stehende Bild ansiehst, wirst du feststellen, dass es sich nicht um eine starre Trennung handelt, sondern um ein fließendes Ineinanderübergehen. Im Augenblick des stärksten Yang wird schon das Yin geboren und umgekehrt.

Wie immer in der TCM geht es hier um das Gleichgewicht zwischen den Kräften. Keine der beiden Pole ist mehr wert, sondern nur, wenn die Balance stimmt, kann Gesundheit entstehen.


Yin und Yang


Solltest du Fragen oder Anregungen haben, schreibe mir gerne unter info@neuewegefinden.de .

Ich freue mich, von dir zu hören,

deine Andrea



Die 5-Elemente-Theorie

Oben auf der Seite findest du das vereinfachte Schaubild für den 5-Elemente-Kreislauf.

Dieser ist nichts magisch-mystisches, sondern die für mich genialste Eselsbrücke der Welt. Die "Elemente" dienen dazu, die hinter diesen Begriffen steckenden Inhalte grob zu umreißen. Der Kreis macht die verschiedenen Verbindungen zwischen den Elementen deutlich.

Jedem Element ist ein Organpaar zugeordnet. Es besteht aus einem Yin-Organ, welches etwas produziert und einem Yang-Organ, welches salopp gesagt, den Müll raus bringt. Die Produktions-Organe sind die überlebenswichtigen, die Entsorgungsorgane haben eine eher untergeordnete Bedeutung und gelten als zumindest teilweise verzichtbar.


Das Erdelement

Es besteht aus dem Yin-Organ Milz/Pankreas/Bauchspeicheldrüse (abgekürzt MP) und dem Yang-Organ Magen. 

Beide Organe zusammen sind mit der Nahrungsverarbeitung und der Gewinnung von für den Körper brauchbaren Substanzen (Nahrungs-Qi) beschäftigt. Hierbei dient der Magen als ein Gefäß für die Umwandlung und den Abtransport der unbrauchbaren Reste.

Die Milz (MP) wandelt die Nahrung auch im Dünndarm und Dickdarm um, die dabei ebenfalls als Gefäße und "Mülleimer" fungieren.

Außerdem ist ihr das Bindegewebe zugeordnet, sie hält also die Organe an ihrem Platz.

Auch die Flüssigkeitsverteilung fällt in ihren  Zuständigkeitsbereich. Werden diese, der Nahrung entnommenen Flüssigkeiten nicht weiter transportiert, bilden sich Fettpolster, gerne zuerst am Bauchbereich.

​Der zugeordnete Geschmack ist die Süße, die den Körper befeuchtet.

Die Emotion der Milz (MP) ist das Grübeln, also das wiederholte Durchkauen von Gedanken. Außerdem hat sie auch Einfluss die Konzentration.


Das Metall-Element

Hierunter fallen die Lunge (Yin) und Dickdarm (Yang). 

Die Lunge nimmt das Nahrungs-Qi und die Flüssigkeiten der Milz (MP) auf um sie zu den Nieren zu leiten. Ihre Energie ist das Umgebungs-Qi, das sich mit dem Nahrungs-Qi zu Sammel-Qi verbindet. Das ist der Rohstoff, aus dem die Niere alles weitere produziert.

Die Lunge ist für den Austausch zuständig, damit kontrolliert dieses Element alle Körperoberflächen, unter denen sie das Abwehr-Qi zirkulieren lässt. Der ihr zugeordnete scharfe Geschmack öffnet die Poren und lässt uns schwitzen.

Die Emotion der Lunge ist die Trauer, die sie stark belastet.


Das Wasser-Element

Wir sind jetzt bei dem Organpaar Niere (Yin) und Harnblase (Yang) angekommen. Die chinesische Niere funktioniert wie eine Raffinerie, die aus den angelieferten Rohstoffen (Sammel-Qi und Flüssigkeiten) für den Körper verwertbare Stoffe produziert. In der westlichen Medizin würden wir diese Funktion unter anderem den Mitochondrien (Zellorganellen) zuschreiben.

Das sind das Abwehr-Qi, das Nähr-Qi und das Ursprungs-Qi (s.u. Begriffe), die für das Funktionieren unseres Körpers mit all seinen Organen gebraucht werden. Die Flüssigkeiten werden in Yin umgewandelt, der Körperflüssigkeit, die vom Körper auch genutzt werden kann. Alle Flüssigkeiten, die nicht in Yin umgewandelt werden, verlassen den Körper über die Blase. 

​Der salzige Geschmack bindet Wasser im Körper.

Die Emotion der Niere ist die Angst. Wir sagen ja oft "da hat jemand kalte Füße bekommen", wenn wir ausdrücken wollen, dass er Angst hatte. Spannenderweise liegt der erste Punkt des Nierenmeridians unter dem Fuß, in der Nähe des Ballens. 


Das Holz- Element

Kommen wir jetzt zu unserem körpereigenen Ordnungshüter, der Leber (Yin) und der Gallenblase (Yang). Die Leber stellt ein Gefäß zur Blutbildung bereit und fügt dem noch eine Art Schmierstoff, das Leberblut hinzu. Das hält alle hornartigen Substanzen geschmeidig. Darunter fallen Haare und Nägel, aber auch die Umhüllungen unserer Nervenfasern. Dieser "Flutschfaktor" hält uns aber auch auf emotionaler Ebene geschmeidig.

​Leber und Gallenblase haben eine genaue Vorstellung von deiner persönlichen inneren und äußeren Ordnung. Wird diese gestört, wertet die Leber dies als Angriff und es bildet sich aufsteigendes Leber-Yang. Das ist eine sehr bildhalfte Umschreibung von Ärger bis Wut. Du spürst es in deinem Bauch, es steigt langsam auf und wenn es oben angekommen ist, dann hast du einen roten Kopf (Yang = Hitze) und es wird laut für die Umwelt. Die der Leber zugeordnete Emotion ist also die Wut.

Der entsprechende Geschmack ist sauer. Er zieht die Oberflächen zusammen. Falls du es nicht glaubst, beiß doch mal in eine Zitrone.


Das Feuer-Element

Hierunter fällt das Herz (Yin) und der Dünndarm (Yang), die Köche, die das Blut kochen. Sie erhalten dazu von der Niere alle notwendigen Rohstoffe und die Energie, die dafür notwendig ist. Natürlich ist es auch in China bekannt, dass unser Pumpmuskel nicht direkt etwas produziert. Zum chinesischen Herz würde damit unser Knochenmark gehören, indem ja tatsächlich unser Blut gebildet wird.

Durch das Blut können dann auch in der TCM alle Organe gut arbeiten.

Der dem Herzen zugeordnete Geschmack ist der Bittere. Dieser leitet Wasser aus dem Körper, macht aber gleichzeitig Freude. Sonst würde wohl niemand Kaffee trinken. 

Damit sind wir auch schon bei der zugeschriebenen Emotion, Freude und Liebe.


Das Therapie-Ziel

Das erklärte Ziel in der TCM ist die Balance aller Elemente auf möglichst hohem Energie- Niveau. Alle Organ-Paare sind gleich wichtig. Dieses Gleichgewicht versucht man über möglichst viele Schienen zu erreichen, wie Akupunktur, Ernährung, Kräutertherapie, Massagen und Moxa. Je nach Art und Ursache einer Störung funktioniert die eine Methode besser als die andere, es kommt halt auf den Einzelfall an.

Insgesamt habe ich festgestellt, dass die Umsetzung der TCM-Praktiken eher pragmatisch als dogmatisch ist. Gelobt sei, was hilft. Was aber immer wichtig ist, ist eine genaue Diagnose und die Individualität jedes Falles. Denn bei ähnlicher Symptomatik können die Ursachen doch sehr unterschiedlich sein.


Jetzt schließt sich der Kreis wieder. 

Wie du vielleicht bemerkt hast, dienen die Elemente mit ihren Organpaaren lediglich als Überschriften, unter denen sich die verschiedenen Körperbestandteile und -funktionen zusammen fassen lassen.

Es ist halt eine andere Sichtweise und ein Erklärungsmodell, das vom Großen und Ganzen zum Kleinen arbeitet. Das ist wohl der chinesischen Schrift geschuldet, bei der ein Zeichen mehrere Bedeutungen haben kann, je nach Kontext.

Unsere Denkweise ist auch unserem Schriftsystem angelehnt. Wir setzen einzelne Bausteine zu einem großen Ganzen zusammen.

Was nun besser oder schlechter ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber wir können unsere beiden Medizin-Systeme durchaus in das jeweils andere System übersetzen.

Wenn du mehr aus der Traditionellen Chinesischen Medizin lesen möchtest, schau doch bei meinem Blog vorbei unter www.deingesundheitsblog.de .

Es gibt viele Fachbücher, in denen du tiefer in die Materie einsteigen kannst. Wenn du jedoch lieber eine Geschichte rund um die TCM lesen willst, in der das Wichtigste vermittelt wird, dann empfehle ich dir "Die große Reise des kleinen Drachen Xiao" ISBN ISBN: 978-3-7450-3295-6.


Begriffe - kurz und knapp

Qi: Lebensenergie ganz allgemein. Alles, was zum Leben gebraucht wird, aber mit dem bloßen Auge nicht zu sehen ist.

Nahrungs-Qi: Für den Stoffwechsel relevante Bestandteile der Nahrung, müssen aber noch aufbereitet werden.

Umgebungs-Qi: der Sauerstoff. Auch die Chinesen wissen schon seit langem, dass regelmäßiges Atmen gut für ein langes Leben ist.

Sammel-Qi: Nahrungs-Qi + Umgebungs-Qi, die Rohstoffe, die die Niere zu weiteren Energieformen und Yin umwandelt.

Nähr-Qi: nicht zu verwechseln mit Nahrungs-Qi, erhält die Funktionen der Organe

Abwehr-Qi: unsere Abwehrkräfte, wärmt und schützt alle Oberflächen

Ursprungs-Qi: quasi der Zündfunken, der erst die Produktion von etwas ermöglicht.

Nieren-Essenz: bekommen wir zur Geburt von unseren Eltern, eine Art Raketentreibstoff, der uns zu Höchstleistungen befähigt, aber auch dazu Hunger und andere Belastungen zu überleben. Sie wird auch im normalen Alltag in kleinen Mengen verbraucht, kann aber, im Gegensatz zu den anderen Energieformen, nicht wieder aufgefüllt werden. Sind diese Vorräte verbraucht, endet das Leben. Sie kann wohl unter anderem mit Adrenalin und körpereigenen Endorphinen/Opiate gleichgesetzt werden.

Leberblut: eine Art Schmierstoff, der Körper, Geist und Seele geschmeidig hält. Wird zwischen 1:00 und 3:00 Uhr Nachts gebildet, wenn wir zu der Zeit zumindest liegen und ruhen.


Willst du wissen, wo du stehst?

Wenn du wissen möchtest, wie es um deine "5-Elemente" bestellt ist, kannst du dir hier meinen Anamnesebogen herunter laden. Ausgefüllt kannst du für dich feststellen, welches der Elemente mehr belastet ist und welches noch relativ gut da steht. 

​Bitte beachten: Dieser Bogen ist nur für einen groben Überblick und ersetzt keine genaue Diagnostik.

Wenn du Fragen dazu hast, melde dich gerne unter info@neuewegefinden.de .

Deine Andrea                 


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